Robert Domes liest für die 9. Klassen …

… aus seinem Roman „Nebel im August“

Am 2. Februar 2016 fand die Autorenlesung auf Einladung von StRefin Lachenmeyer im Saal der Sparkasse Günzburg statt. Der Autor päsentierte die  Lebensgeschichte eines Euthanasieopfers aus dem Dritten Reich. Gebannt hörten die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe zu. Ernst Lossa, dessen Leben im Dritten Reich ein tragisches Ende nahm, hat alle tief berührt.

Kühl aber kein Nebel. Es ist auch nicht August, sondern Februar. Ich betrete den Raum und ein durchdringender Blick trifft mich. Ich schaue nach vorne und blicke in das Gesicht eines 12-Jährigen. Links daneben steht der Tisch für die Autorenlesung und noch weiter links das Sparkassenlogo. Der Autor des Buches „Nebel im August“ unterhält sich im hinteren Bereich des Saales. 140 Schüler sind aufgeregt und dennoch spüre ich etwas Beklemmendes. Der Junge auf dem Bild schaut mich einfach an. Er wirkt wie jemand, der viel älter ist, viel weiß, aber nichts mehr sagen will oder kann. Sein Blick spricht Bände.
Einen Band über sein Leben hat Robert Domes geschrieben – über das Leben von Ernst Lossa, denn wir sollen nicht vom Tod her denken, meint Herr Domes. Ein Toter erzählt keine Geschichte, aber Ernst Lossa hat etwas zu erzählen, als Lebendiger, als liebender Sohn, als den Eltern Genommener, als Schwererziehbarer, als Quertreiber, als Liebenswürdiger, als Abgestempelter, als Abgeschobener, als Gesunder unter Kranken, als Krankgemachter, als Mensch, als Todeswürdiger, als Euthanasieopfer.

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Herr Domes führt uns in die Welt der Deutschen um 1933-1945 ein. Kurz, prägnant, beeindruckend. Kein bedauerlicher Kniefall vor lauter Schuldgefühlen. Harte Fakten sprechen. Sie sprechen für sich und gegen Menschen, die keine waren.

Ernst Lossa hat sich Jahre lang in einer Welt bewegt und darin überlebt, von der wir hoffen, dass sie niemand mehr erleben muss. Er hatte es schwerer als wir. Weiter, als bis er ca. 14 Jahre alt war, hat er es nicht geschafft.

Schade? Traurig? Gefühle nach deutlich über 75 Jahren? Geht das?

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Während Robert Domes erklärt und aus seinem Buch „Nebel im August“ liest, bemerke ich die unterschiedlichsten Reaktionen. Am Schluss sorgende Gesichter und drängende Fragen: Wie erging es Lossas Schwestern?, Was ist mit dem Vater passiert?, Lebt die Mutter noch?, Gibt es die Klinik in Kaufbeuren wirklich? …

Die Geschichte von Ernst Lossa bewegt zutiefst, erschüttert und trifft genau da, wo wir nicht getroffen werden wollen.

Eine einfühlsame, bereichernde, traurige und reinigende Lesung. Wir haben das Leben erfahren, nicht den Tod. Wir haben Ernst Lossa erfahren – und er hat uns die ganze Zeit über angeschaut.

KP