UmweltUnterricht

Kochen in den Umweltstunden

Moment mal! Kochen? Wir sind doch ein Gymnasium!

Stimmt! Und deswegen ist es in den Statuten, wie Gymnasien ausgestattet werden, auch nirgendwo festgehalten, dass ein Gymnasium ein Anrecht auf eine Schulküche hat. Dennoch, das Dossenberger hat erkannt, wie wertvoll diese Arbeit für die Schüler sein kann und hat mit viel Fantasie und Kreativität eine improvisierte Schulküche eingerichtet.

In den Kocheinheiten, welcher als Block mit vier Unterrichtsstunden in den Umweltklassen der 5. und 6. Jahrgangsstufe organisiert wird, lernen die Schülerinnen und Schüler, sich mit vielen Fragen auseinanderzusetzen, die für ihr Leben höchst wertvoll sind.

Das geht los bei der Frage, was ich sinnvoller Weise wann wo einkaufen sollte und was nicht. In den U.S.A. heißt dieses Fach dann “consumer sciences”, also “Einkaufslehre”. Wir vermitteln den Schülern, welche Kraft ihr Einkaufsverhalten hat und wieviel sie beeinflussen können. Das ist nicht immer einfach und wenn man erkennen möchte, was das Kleingedruckte der Angaben zu den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln bedeutet oder wie man erkennt, wo ein Lebensmittel herkommt. Daher gehen wir auch auf Einkaufstour zu verschiedenen Läden, um vor Ort Unterschiede der angebotenen Waren zu erforschen. Bevor wir mit dem Kochen loslegen, lesen wir stets aufmerksam, was auf den Verpackungen steht und diskutieren Vor- und Nachteile der einzelnen Aspekte. Oder noch besser, wir kaufen gleich unverpackt ein.

Die nunmehr vom Ministerium eingeforderte “Alltagskompetenzen” werden in jeder Unterrichtsstunde praktiziert, denn wir putzen (umweltfreundlich) und spülen, bereiten Gemüse vor, garen und brutzeln (möglichst Nährstoff-schonend) und nutzen Küchengeräte, die wir vielleicht noch nie in der Hand hatten. Selbst so einfach anmutende Aufgaben, wie das Abmessen von Mehl gelingt nicht automatisch. Hier muss man wissen was “oz” versus “mg” oder “lb” auf der elektrischen Waage bedeutet. Und dass es gut wäre, wenn man das Gewicht der leeren Schüssel abzieht und welche Taste man dazu drücken muss. Kurzum: Beim Kochen lernen Schüler was fürs Leben!

Ein anderer äußerst wichtiger Punkt bei unseren Kocheinheiten ist die Frage, wie gesund eine Zutat oder eine Speise ist. Dabei nutzen wir das Wissen aus Natur und Technik / Biologie und bohren weiter nach Erkenntnissen. Wir schauen auf die große Ernährungspyramide, die uns die AOK zusammen mit vielen anderen nützlichen Unterlagen und Materialien geschenkt hat, und es wird uns klar, warum wir z. B. besser zum Vollkornmehl als zum weißen Mehl greifen sollten. Wenn es gut läuft, dann schmecken wir auch den Unterschied zwischen laschen Fertiggerichten und den Geschmacksbomben von frisch gekochtem Essen. Und das Allerbeste: Jeder kann die Gerichte hinterher selbst nachkochen.

Ein weiterer Aspekt ist die Vernetzung mit den anderen Umweltstunden, wie z. B. der Arbeit im Schulgarten. Wir holen uns die Kräuter aus der Ecke im Garten, wo wir sie selbst angepflanzt oder gejätet haben. Und wenn es gerade viele Zwiebeln gibt, dann überlegen wir, was daraus werden könnte. z. B. Kässpätzle mit Zwiebeln. Oder: Wir gehen mit der Umweltpädagogin Jutta Reiter bis zum Birket-Wald und entdecken Wildkräuter, damit wir in der Folgestunde mit diesen unbekannten Zutaten raffinierte Rezepte kochen.

Was im Aufgabenkatalog unserer Lehrpläne nicht groß benannt wird, aber dennoch gerade in den Kocheinheiten praktiziert wird, sind Gruppenerlebnisse. In jeder einzelnen Kocheinheit müssen kleine Gruppen gemeinsam zusammenhelfen, damit am Ende etwas Gutes herauskommt, das wir dann essen können. Das bedeutet, dass wir uns gegenseitig helfen (z. B. zeigen, wie man einen Kartoffelschäler benutzt, uns verzeihen (wenn die Eier nicht richtig getrennt wurden), uns gegenseitig disziplinieren (wenn sich manche ums Spülen drücken wollen) ….

Das Schönste am Kochen aber ist, dass wir am Ende – nach wirklich anstrengenden vier Unterrichtsstunden – etwas Leckeres essen können und stolz auf unseren Erfolg sind.

Elisabeth Brosig