Florenz – eine “gefährliche” Reise
Unser Begleiter Herr Schiefele warnte uns rechtzeitig mit den Worten des Schriftstellers Stendhal: Wer nach Florenz fährt, den kann das Stendhal Syndrom packen! Eine psychosomatische Reaktion auf überwältigende Kunstgenüsse, die zu Symptomen wie Herzrasen, Schwindel, Halluzinationen oder Ohnmacht führen kann. Es tritt typischerweise bei Touristen in Florenz auf, die einer hohen Konzentration an Kunst und Kultur ausgesetzt sind. Eine wirklich Besorgnis erregende Vorstellung !
So schlimm kam es dann – Gott sei Dank – doch nicht, als wir mit unserem W-Seminar Kunst (Renaissance) und den Italienisch-Schülern der Q12 in Florenz eintrafen. Wahrscheinlich lag es daran, dass unsere jungen Reisenden neben all der Kunst vor allem die neuen Freundschaften am “Galileo Galiei”, der neuen Partnerschule für unsere Schüleraustausche in Italienisch, kennenlernten und die vielen gemeinsamen Aktionen genossen.
Zu unserer Hinfahrt schreibt Fabiano Simone, unser mitfahrender Italienisch-Student:
Ein Bus, geladen mit 26 Schülerinnen und Schüler, vier Lehrkräfte und ganz viel Vorfreude startet am 15.03.2026 von Günzburg aus in Richtung Süden. Es geht in die Heimat der Renaissance, in der berühmte Künstler wie Leonardo da Vinci, Michelangelo und Botticelli ihre Spuren hinterließen: Florenz!
Nachdem am Sonntag unsere Schüler herzlich in den Familien aufgenommen wurden, ging es am Montag morgen erstmal in die Schule, bei dem wir von Professoressa Giusi Filippelli, Deutschlehrerin am Liceo Classico Galileo Galilei, gemeinsam mit der Klasse des Lateinlehrers Professore Infante herzlich empfangen wurden. Die Position des neuen Partnergymnasiums ist spektakulär. Man biegt am Dom (wir sprechen von d e m Dom der Renaissance, der für die Kunst wegweisend war) in die Via Martelli und schon nach 100 Metern geht es in den Schuleingang !
Hier bekamen unsere deutschen Voyageure einen kleinen Vorgeschmack des Schullebens in Italien. Wie sehen hier Klassenzimmer aus? Welche Rituale gibt es zum Stundenbeginn? Wie schauen die Hefte und Bücher aus? Etcetera, etcetera, etcetera.
Aber bei einem Schüleraustausch geht es um viel mehr als Unterricht:
Unsere Schülerinnen und Schüler erfuhren verschiedenste Facetten der toskanischen Landeshauptstadt, indem sie selbstständig, als Gruppe, oder zusammen mit ihren italienischen Partnern die Stadt erkundeten. Hierzu mussten viele Aufgaben aus einem “diario” (einem Tagebuch) zusammen mit den italienischen Partnern bearbeitet werden. Rätsel wurden gelöst, Leute befragt, Skizzen angefertigt und auch neue Lebensmittel probiert.
Unsere Dossi-Schüler bewunderten natürlich auch die Schönheiten der Stadt – wie zum Beispiel die Piazza della Signoria, den Duomo Santa Maria del Fiore, den Ponte Vecchio und die charismatischen Gässchen der Altstadt. Ein Höhepunkt waren sicherlich die “Uffizien”, das riesige Kunstmuseum, das die größten Schätze der abendländischen Kunst beherbergt. Großen Eindruck hinterließen aber auch die sensationellen Schaufensterauslagen der großen Modemarken Italiens, von denen viele Namen noch nicht jeder kannte. Oder wer stand schon mal vor einem Geschäft von “Ermenegildo Zegna” oder “Bottega Veneto” oder “Lisa Spagnoli”?
Bei diesen Erkundungstouren genossen es unsere neuen Freunde auch, für die Aktivitäten vom Unterricht freigestellt zu sein und waren so mit Begeisterung an unserer Seite. Dabei heizte unser Starsänger und Gitarrist – Roland Schiefele – mit “99 Luftballons” und “Sarà perché ti amo” kräftig die Stimmung an. Als wir uns im Festsaal der Schule, der “Aula Magna” befanden, wo unser mitgebrachter Birnensaft ausgeschenkt wurde, staunten die italienischen Schüler über die unkonventionellen Gäste und wunderten sich auch nicht mehr, als Frau Rembold dazu aufrief, in Tetrapacks ein Druckmotiv von Florenz zu ritzen, um anschließend damit einen Druck anzufertigen. Völlig undenkbar in einer Schule, an der Kunst nur theoretisch studiert wird – aber alle waren mit Begeisterung dabei.
Das Eis war gebrochen und unsere deutsch-italienische Gruppe hielt gut zusammen, bis wir nach 4 Tagen uns “Arrivederci!” sagen mussten. Als sich die neuen Freunde von uns verabschiedeten, flossen Tränen, die aber nicht nur trauerbedingt waren. Es war vor allem die Freude, in solch kurzer Zeit Bindungen fürs Leben geschlossen zu haben. “Grazie di tutto, Firenze, e a presto!” war die Devise, denn nur zwei Monate später würde der Gegenbesuch in Günzburg anstehen.
Elisabeth Brosig, Birgit Rembold, Roland Schiefele und Fabiano Simone
