Italienische Gäste zu Besuch in Günzburg

Bereit für’s „Global Village“?

Schüleraustausch als Vorbereitung auf internationale Zusammenarbeit

Vom 17. 6.  bis 21.6 2016 hatten unsere Italienischschüler Besuch aus Milazzo.
Nachdem im vergangenen Herbst eine Gruppe aus dem Q-12-Kurs Italienisch eine Reise ins wunderbare Sizilien machen durfte, kamen nun die Austauschpartner zum Gegenbesuch nach Günzburg. Leider waren viele der ursprünglichen deutschen Partner nach dem Abitur schon mit anderem Programm „ausgebucht“, aber so konnten auch 10t- und 11t-Klässler am Schüleraustausch teilnehmen.

Was passiert in einem Schüleraustausch?

Nun, man lebt seinen Alltag zusammen, d. h. die Gäste gehen mit in den Unterricht und erleben damit eine andere Arbeits- und Umgangskultur. Die Italiener staunten nicht schlecht, dass mit dem Gong tatsächlich der Unterricht beginnt und dass bei einer Abfrage per Ex die Verwendung von Spickern mit einer schlechten Note quittiert wird.  Auch die dicken Schulränzen und Tage mit Nachmittagsunterricht sind in Italien unbekannt. Über diese Unterschiede sprachen die Austauschschüler viel, aber noch viel mehr Diskussionsbedarf gab es bezüglich der Freizeitgestaltung. Dazu muss man wissen, dass südländische Jugendliche nach Ende des Schuljahrs (in Italien endet die Schule Anfang Juni) ihren Tag komplett umstellen: Abendessen gegen 21 Uhr, dann Ausgehen, Flanieren, Freunde treffen, bis es ganz spät ist; am Morgen lange ausschlafen.

Bestimmt ahnen Sie, was die Herausforderung in unserem Schüleraustausch war: Die beiden Lebensrhythmen und –stile auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.  Es gelang letztlich und viele lustige Momente erhellten unsere gemeinsame Zeit. Dennoch wurde allen Teilnehmern klar: Internationale Zusammenarbeit ist kein Spaziergang und da bereits die Unterschiede zwischen Italienern und Deutschen so groß sind, tut man gut daran, ein späteres berufliches Zusammenarbeiten schon in der Schule zu üben.

Echte Aufgaben zusammen lösen

Um das „Eis zu brechen“ und als Gruppe zusammenzufinden, trafen wir uns gleich zu Beginn des Austausches in der Küche der Montessorischule, um dort gemeinsam Kuchen zu backen. Es duftete nach Biskuitroulade, Donauwelle und Schmandkuchen und die transnationalen Teams konnten stolz ihre gemeinsam geschaffenen Leckereien verzehren. Beim anschließenden Kegeln war das Getümmel an deutschen und italienischen Schülern schon gut gemischt. In den folgenden Tagen folgten gemeinsame Ausflüge und Schulbesuche und abends natürlich gemeinsame Treffen. Ein besonderes Highlight aber war abermals eine internationale Kooperationsaufgabe.

Unsichtbare Folgen

Was in den wenigen Tagen des Schüleraustausches auch passierte, ist vielleicht so manchem Teilnehmer gar nicht klar gewesen. Die Schüler mussten gute Gastgeber sein und waren als Partner rund um die Uhr gefordert. Freundlichkeit, passende Ausdrucksfähigkeit, Organisationstalent und Flexibilität wurden trainiert. Die Eindrücke von den Partnern haben die Schüler wachsen lassen, wie auch die italienische Schülerin Beatrice bemerkte: „Prof, noi torniamo a casa e non siamo più gli stessi.“ („Wir werden nicht mehr die Gleichen sein, wenn wir nach Hause kommen.“)

Die Schüler lernten in den wenigen Tagen deutlich mehr als im regulären Schulalltag – vielleicht sogar auch wichtigere Inhalte, weil sich im Leben Vieles genau um diese „soft skills“  dreht und nicht nur um Vokabeln und Grammatik.

Elisabeth Brosig und Birgit Rembold