Distanzunterricht ganz nah

Seit der Corona-Pandemie ist das Wort Distanzunterricht in aller Munde. Gerade jetzt nach Weihnachten ist die Diskussion darüber beinahe omnipräsent: Die Schulen sind geschlossen und die Schülerinnen und Schüler müssen – so heißt es – sich nun ganz alleine den Unterrichtsstoff aneignen. Dazu kommen noch die Klagen über die Unzuverlässigkeit der Lernplattform Mebis und die mangelnde digitale Ausstattung der Schulen. Wie soll da Lernen funktionieren?

 

Das Dossi – bereit für die digitale Zukunft

Am Dossenberger-Gymnasium hat sich die Schulgemeinschaft schon seit längerer Zeit auf den Weg gemacht, die digitalen Möglichkeiten auszuschöpfen und für den Unterricht zu nutzen, ohne dass die Schüler auf den persönlichen Kontakt zu den Lehrkräften verzichten müssen, der gerade jetzt so wichtig ist.

Ausstattung und Know-How

Zum einen wurde die Schule mit dem Beginn der Planungen zur Generalsanierung für das digitale Lernen vorbereitet und ausgestattet. Schnelles Internet, flächendeckendes W-Lan und modernste Präsentationstechnik in den Klassenzimmern machen schon jetzt im Präsenzunterricht die digitalen Vorteile erlebbar. Dazu sind alle Lehrkräfte mit iPads ausgestattet und intensiv geschult worden. Das Kollegium hat eine Vielzahl von Schulungen in der Freizeit absolviert und am Nachmittag sah man oft Gruppen von Lehrern, die sich spontan zum Experimentieren mit den neuen Mitteln zusammenfanden. Und das schon vor Corona.

Für den Distanzunterricht sind auch alle Schülerinnen und Schülern, deren Eltern Bedarf bei der Schule angemeldet haben, mit digitalen Endgeräten (iPads oder Laptops) ausgestattet und ebenfalls geschult worden. Dabei wurden bewusst die intuitiver zu bedienenden iPads an die jüngeren Schüler ausgegeben, vielseitiger einsetzbare Laptops erhielten die höheren Klassen. Zudem stehen die Systembetreuer jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Bereits seit einigen Schuljahren besitzt das Dossenberger-Gymnasium iPad-Koffer, die alle Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht nutzen können, wann immer ihre Lehrerinnen und Lehrer den Einsatz im Unterricht als gewinnbringend ansehen. Die Anzahl der hier verfügbaren Schülergeräte steigt stetig, da auch die Nachfrage der Kolleginnen und Kollegen für ihren Unterricht hier ständig steigt. Erste Tabletklassen, in denen dann jede Schülerin und jeder Schüler dauerhaft mit einem iPad ausgestattet ist, sind noch für 2021 in Planung und eine schnelle Ausweitung der Anzahl der Tabletklassen ist angedacht, sollten die Erfahrungen hier positiv sein.

Software und Tools

Zum anderen steht jedem Schüler und Lehrer eine kostenlose Microsoft-365-Lizenz zur Verfügung, sodass die aktuellen Programme wie Word, PowerPoint, aber auch Teams, jederzeit zu Hause zur Verfügung stehen. Somit wurde regelmäßig schon im Wechselunterricht der Teil der Klasse, der daheim war, live in den Unterricht mit hineingeschaltet und Teams ist nun auch im Distanzunterricht ein häufig genutztes Tool, um den persönlichen Kontakt mit den Schülern zu halten und Unterricht fast wie gewohnt durchzuführen. Aber auch andere Tools wie Geogebra oder digitale Unterrichtsassistenten zu den Schulbüchern waren und sind im Einsatz.

 

Methodenvielfalt auch im Distanzunterricht

Wer sich jedoch nur auf eine digitale Plattform verlässt, verschenkt viele wertvolle Möglichkeiten, die eine andere, z.B. die Lernplattform Mebis, bietet. Guter Unterricht besteht immer aus einer Methodenvielfalt und so haben beide Plattformen bewusst und zielgerichtet eingesetzt nicht nur ihre Berechtigung, sondern machen den Distanzunterricht einfach besser, denn während sich das für Firmen entwickelte MS-Teams vor allem zur Kommunikation eignet, bietet die Schulplattform Mebis eine Vielzahl an pädagogischen Angeboten wie sprechende Vokabelkarteikarten oder die Integration von verschiedenen Learning Apps. Zudem zeigt sich aus den regelmäßigen Rückmeldungen, die die Schule von Elternbeirat, Eltern und Schülern einholt, dass sechs Schulstunden Videokonferenz wenig zielführend und enorm ermüdend sind. Kein Kinofilm würde Erfolg haben, der so lange den Zuschauer ansprechen möchte und Lernen ist viel anstrengender als nur Zuschauen. Daher wurden schulintern bewährte Regelungen gefunden, um eine Überlastung der Kinder zu verhindern.

 

Mein eigener Stundenplan!

Ein großer Vorteil des Distanzunterrichts ist ja gerade, dass nicht alle Unterrichtsstunden des Tages hintereinander nach der Taktung des Stundenplans ablaufen, sondern der Tag individuell eingeteilt werden kann. Was spricht dagegen, am Morgen zwischen zwei Videokonferenzen mit dem Hund eine Runde zu drehen, um am Nachmittag dann mit freiem Kopf die Mebisübungen ohne lange Ladezeiten zu machen? Um diese Planungen zu erleichtern, erhalten alle Schülerinnen und Schüler Vorlagen und Tipps, wie man geschickt seinen eigenen Schultag planen kann, als Ergänzung zu den Strukturierungshilfen, die bereits im schuleigenen Methodenordner besprochen und eingeübt wurden.

 
Nah dran im Distanzunterricht

Wo bleibt aber der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern, der – wie wir aus wissenschaftlichen Studien und persönlichen Gesprächen mit unseren Schülern wissen – so wichtig ist fürs Lernen? Neben den Videokonferenzen zu Unterrichtszwecken hat das Dossi ein eigenes Programm entwickelt, um die Distanz des Distanzunterrichts auf ein Minimum zu verringern.

Schülersprechstunden

Sprechstunden für Eltern kennt jeder, aber am Dossi wurden nun zusätzlich Sprechstunden für Schüler eingerichtet. In diesen Sprechstunden sind die Lehrer über Telefon oder Teams am Nachmittag sofort direkt erreichbar, für Fragen, Rückmeldungen oder einfach zum „Hallo“ sagen und um einen weiteren Gesprächstermin auszumachen.


Lernsprechstunden

Daneben gibt es auch sogenannte Lernsprechstunden. Diese haben sich schon seit Jahren am Dossenberger-Gymnasium bewährt, denn sie dienen dazu, sich Hilfe bei der selbstständigen Aufarbeitung von Lücken zu holen, die im Unterricht oder der Hausaufgabe aufgetaucht sind. Diese Art der Sprechstunden wurden nun für den Distanzunterricht erweitert, sodass in den Fächern Mathematik, Englisch, Französisch, Spanisch und Latein für jede Jahrgangsstufe zusätzlich zu den weiterhin bestehenden Angeboten an Trainingskursen eine fest eingerichtete Lernsprechstunde am Nachmittag zur Verfügung steht. Hier kann man sich die Tipps holen, um die eine oder andere Hürde leichter zu überspringen.

Personal Coaching

Um keinen Schüler zu benachteiligen, wurde am Ende des letzten Schuljahres einigen Schülerinnen und Schülern das sogenannte „Vorrücken auf Probe“ gestattet. Trotz nicht ausreichender Noten im Jahreszeugnis haben die Lehrer gesagt: „Ja, wir glauben an dich und daran, dass du hier bei uns am Gymnasium richtig bist und bis zum Halbjahr hast du Zeit, um die vorhandenen Lücken aufzuholen.“ Und das soll im Distanzunterricht gehen? Ja, klar! Denn unter dem Motto „Begleiten – Betreuen – Bestätigen“ bekommt nun jede dieser Schülerinnen und Schüler einen erfahrenen Lehrer als Personal Coach an die Seite gestellt, der regelmäßig nachfragt, Tipps gibt, um den Tag sinnvoll zu strukturieren, und hilft, die Motivation zu behalten. Auf diese Weise möchten wir gerade dieser Schülergruppe helfen, den Distanzunterricht möglichst gewinnbringend zu nutzen und gar als Chance zu begreifen, denn jetzt lassen sich sehr gut eigene Schwerpunkte in der Arbeit setzen.

 
Ein Plus an Präsenzunterricht

Natürlich hat sich niemand den Distanzunterricht gewünscht und das Dossi hat und wird alles tun, um unter den geltenden Hygienevorgaben möglichst viele Schülerinnen und Schüler wieder im Präsenzunterricht im Schulhaus zu haben, sobald das zulässig ist. So ist es uns im letzten Frühjahr durch eine kurzfristig bereitgestellte Infrastruktur gelungen, die Abschlussklasse unter den strengen Hygienevorgaben in voller Präsenz sehr erfolgreich zum Abitur zu führen. Ebenso konnten wir zuletzt in den Phasen des Wechselunterrichts einen hohen zusätzlichen Anteil an Präsenzunterricht organisieren. Die digitale Infrastruktur in unseren großen, neuen Räumen machte dies möglich.

Bei allen (berechtigten) Klagen über die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sollte man aber nicht das Positive aus den Augen verlieren. Man darf schon ein wenig stolz sein, dass der bereits vor der Corona-Krise eingeschlagene Weg hin zur Digitalisierung auch im Präsenzunterricht nun noch schneller zurückgelegt werden konnte als gedacht. Das neu errichtete Schulhaus bietet zudem enorme Möglichkeiten. Dazu kommt, dass unsere weiteren Pläne schon in Arbeit sind, denn so schnell sich die Digitalisierung wandelt, so schnell gilt es auch deren Chancen und Möglichkeiten für die Schule zu nutzen. Wir freuen uns darauf…