Vortrag von Prof. Dr. Rolf Steininger

(für die 10. Jahrgangsstufe)

Rente mit 67? Für viele ein Schreckgespenst, besonders bei körperlich anstrengenden Berufen. Über die aktuellen und vielleicht zukünftig geplanten Rentenreformen vermag der außergewöhnliche Referent, der am 17.6.2016 bei uns zu Gast war, sicher nur den Kopf zu schütteln: Prof. Dr. Rolf Steininger, Emeritus der Universität Innsbruck seit 2010, ist natürlich – wie könnte es bei einem leidenschaftlichen Wissenschaftler anders sein – nach wie vor in vielen Bereichen aktiv.

Ein Vorteil des (Un)ruhestands ist zweifellos, dass Prof. Steininger doch etwas mehr Zeit hat, sich außeruniversitären, freiwillig eingegangenen Verpflichtungen zu widmen. So erklärt er sich immer wieder bereit, an Schulen tiefgründige Einblicke in aktuelle geschichtliche Themengebiete zu geben. Vor diesem Rahmen freut es den Verfasser dieser Zeilen, dass es gelungen ist, Prof. Steiniger als Referent zu einem seiner Schwerpunktgebiete, die Geschichte des Kalten Kriegs, an das Dossenberger – Gymnasium zu holen. (Dass Prof. Steininger der Schule in finanzieller Hinsicht  weit entgegengekommen ist, sei gleich hier dankend vermerkt.) Im zeitlichen Umfelds dieses Vortrags fand des weiteren eine Plakat-Ausstellung zum Thema ‚Kalter Krieg‘ statt, die den 10. Klassen und auch anderen interessierten Schülern einen lebendigen Einblick in diese Thematik ermöglichte. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Kollegin Birner, die den Verfasser dieser Zeilen darauf aufmerksam gemacht hat!

Zum Thema des Vortrags: Die bipolare Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die mit dem Fall des Kommunismus und der Auflösung des Ostblocks um 1990 zu Ende gegangen ist, war vergleichsweise viel einfacher als unsere Gegenwart strukturiert: Ost und West, repräsentiert durch die Sowjetunion mit Satellitenstaaten und durch die USA mit Verbündeten, standen sich waffenstarrend gegenüber, wobei die Welt (nicht zuletzt während der Kuba – Krise 1962) haarscharf am Rand eines nuklearen Kriegs entlangschlidderte. Gerade das zuletzt genannte Ereignis stellte Prof. Steininger auf sehr farbige Art und Weise dar, die die Zuhörer, natürlich auch die anwesenden Lehrkräfte, in ihren Bann schlug. Es war jederzeit zu spüren, dass der Referent einer der ausgewiesenen Experten in diesem Gebiet ist und sich derart selbstverständlich auskennt, wie es im schulischen Rahmen einfach nicht möglich ist. In seinem Vortrag, der völlig auf überflüssige neumodische Hilfsmittel verzichtete, wurde das Handeln der Akteure dieser Zeit aus ganz verschiedenen Perspektiven beleuchtet  – eine ganz eindringliche Darstellung, die im üblichen Geschichtsunterricht eindeutig nicht geleistet werden kann.

Prof. Steininger war es auch ein Herzensanliegen, die Arbeit eines Historikers zu schildern, der sich auf „ad fontes“ (auf die Quellen) bezieht und einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitszeit in Archiven verbringt, um gerade neu freigegebene Quellen, wie Aktenbestände nach einer jahrzehntelangen Sperrfrist (London) auszuwerten. Dies ist etwas, was auch unter Historikern leider nicht immer üblich ist.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, auf Einzelheiten des Vortrags einzugehen; zu empfehlen ist aber jedem die Lektüre der entsprechenden Monographien des Referenten, die auch als Taschenbuch erhältlich sind. Entsprechende Wissenslücken können damit unschwer geschlossen werden.

Wir freuen uns darauf, Prof. Steininger hoffentlich bald an unserer Schule wiederzusehen – etwa zu einem Vortrag zu einem weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit, dem Nahost – Konflikt. Herzlichen Dank an Sie, Herr Prof. Steininger! Wenn Sie wiederkommen, wird Günzburg Sie hoffentlich auch mit besserem Wetter begrüßen.

P.S.: Ein passender Zufall war der Termin des Vortrags, der Jahrestags des Volksaufstands in der DDR am 17.6.1953, zu dem der Referent ebenfalls eine Monographie verfasst hat.

Johannes Heindl