Santa Lucia, das Lichterfest in Schweden

Das dritte internationale Treffen in Falun, Schweden, im Rahmen unseres Erasmus+ Projekts „Solidarität“ liegt nun vier Wochen zurück und es wird Zeit, nach all dem Weihnachtsstress und nach den wohlverdienten Ferien, mit Euch, liebe Leserinnen und Leser, unsere Eindrücke zu teilen!

Am Samstag, den 6. Dezember 2019, flogen acht Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Begleitlehrkräften nach Stockholm, um weiter mit dem Zug zur 250 km entfernten Stadt Falun zu fahren, wo unsere Partner uns erwarteten. Kälte und Dunkelheit, frostige, rutschige Gehwege und eine fremdklingende Sprache waren die ersten Eindrücke, dann Händeschütteln mit den Eltern, die sich uns alle per Vornamen vorstellten! Erst am nächsten Tag konnten wir die Landschaft besser erkennen: rot gestrichene Holzhäuser, Weiher und Wälder, aber auch eine leichte Schneedecke, die uns erfreute. Schließlich hatten wir ja den Winter in diesem nordischen Land erwartet!

Das Programm begann gleich am Sonntagvormittag mit einer Führung durch die „Falu Gruva“, also das beeindruckende Kupferbergwerk, das einst zwei Drittel der weltweiten Kupferproduktion lieferte und heute als Unesco-Welterbe dem Publikum präsentiert wird. Eine junge Frau im traditionellen Gewand und mit eindeutigem Schauspieltalent führte uns durch die dunklen Gänge bis zum 67 Meter tiefen Stollen und schilderte uns die mühsame Arbeit und das harte Leben der Bergarbeiter, die manchmal – wie ein junger Mann namens Fet Mats – auch in der Grube starben … Danach besuchten wir das Museum der Mine, das Groß und Klein durch unzählige informative oder interaktive Attraktionen begeisterte. Nachmittags durften wir auf einem Weihnachtsmarkt vor dem Bergwerk lokale Delikatessen probieren und handwerkliche Produkte für die Weihnachtszeit bewundern.

Montags wurden wir in der „Montessoriskolan“ (Montessori-Schule) empfangen und staunten nicht schlecht, wie viel Freiheit und Gemütlichkeit die schwedischen Schüler in ihrem Alltag genießen. Überall Sofas und Spielecken, nach Fächern organisierte Zimmer mit offenen Gängen ohne Türen, Laptops anstelle von Büchern und individuelle Arbeitszeiten statt strengem Frontalunterricht im Klassenverband. Das Anschauen von aktuellen Nachrichten vor Unterrichtsbeginn, z.T. auf Englisch, und sie danach gemeinsam besprechen, viele manuelle Aktivitäten und Kochkurse, und die Lehrkräfte per Vornamen zu rufen, das klang für uns fast zu locker! Aber offensichtlich war die Lernmotivation bei den Jugendlichen dort höher als bei uns… Das für schwedische Schüler kostenlose Essen in der Kantine war gut und die Schüler mussten selber die Tische abputzen! Insgesamt fiel uns die Selbständigkeit der Schüler und der Respekt für einander auf.

Der Ausflug nach Stockholm am nächsten Tag war sicherlich ein Highlight! Wir entdeckten die Hauptstadt trotz Wintersonne bei eisigen Temperaturen, und das Sonnenlicht tat uns gut, weil es im Winter nur wenige Stunden hell ist. Stockholm wird auch „Venedig des Nordens“ genannt, weil es auf zahlreichen Inseln erbaut wurde. Wir jedenfalls marschierten zu Fuß Richtung Vasa-Museum, wo das restaurierte imposante Kriegsschiff steht, nachdem es bei der Jungfernfahrt 1628 im Hafen gesunken war und erst nach 333 Jahren wieder geborgen wurde. Ein süßes Gebäck mit Punch, Fika, erwärmte uns nach der Führung durch die Altstadt Gamla Stan und später gingen wir noch in das Waffenmuseum im königlichen Schloss.

Die schwedischen Kollegen hatten ausgerechnet diese Woche für unseren Besuch ausgesucht, in der sich die Schüler auf das Santa Lucia-Fest und auf Weihnachten vorbereiten. Unsere Schüler konnten somit das Projektthema Solidarität unter einem neuen Blickwinkel betrachten und insbesondere die Bedeutung des geteilten (internationalen) Essens durch gemeinsame Kochaktivitäten erleben. An einem Abend fand das Yulbord statt, also das Weihnachtsbuffet, das in einem gemütlichen Dorfhauses mitten im Wald durch die fleißigen Eltern organisiert wurde. Aber auch die Gäste aus Griechenland, Italien und wir hatten Spezialitäten aus unserer Heimat mitgebracht. Es wurde ein Fest für die Augen und den Gaumen: Hering in Senfsoße, Bällchen aus Elchenfleisch, Weißkrautsalat, Knäckebrot und Pepparkakor (Pfefferkuchen), um nur wenige zu erwähnen. Später hatten die Jugendlichen viel Spaß beim Tanzen um den Weihnachtsbaum herum!
Ein weiteres Highlight war das Santa Lucia-Fest, das auch „Fest der Lichterkönigin“ genannt wird, und das traditionell am 13. Dezember gefeiert wird, ob in der Schule oder im Büro. Unsere Schüler konnten einen Kinderchor in einer Turnhalle erleben, in der alle, ob klein oder groß, leise und gespannt zuhörten. Abends hatten wir das Glück, ein großartiges Konzert in einer wunderschönen, von Kerzenlicht durchfluteten Kirche zu hören.

Zusammengefasst: eine Woche mit großartigen Momenten und viel Gastfreundlichkeit, das uns vor Weihnachten richtig eng zusammenführte. Und genau diese Art von Solidarität und Zusammengehörigkeit hatten wir in Schweden erhofft!

Nun wird das nächste Treffen Im Mai 2020 bei uns stattfinden, zu dem mehr als 20 Schüler aus Vergato (Italien), Athen (Griechenland) und Falun (Schweden) kommen werden. Die Haupthemen werden Solidarität für die Umwelt und soziales Engagement bei ehrenamtlichen Tätigkeiten sein. Es lebe Erasmus+!