Veni, vidi, Dossi!

Latein als erste Fremdsprache am Dossenberger-Gymnasium

Sehr geehrte Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

das Dossenberger-Gymnasium bietet als einzige Schule im Landkreis die Möglichkeit, mit Latein als erster Fremdsprache in der 5. Klasse zu beginnen – ein Angebot, das sich wachsender Beliebtheit erfreut. Oft hört man die Frage: „Warum soll man eine Sprache lernen, die seit mehr als 500 Jahren nicht mehr gesprochen wird? Außerdem hat mein Kind doch schon in der Grundschule begonnen, Englisch zu lernen.“

Man könnte aber auch genauso fragen, warum lernen jedes Jahr Tausende von Schülern in Bayern und Deutschland Latein? Warum haben wir am Dossenberger-Gymnasium gewöhnlich eine eigene Klasse, die in der 5. Klasse mit Begeisterung Latein lernt? Diese kleine Broschüre möchte Ihnen einige Antworten darauf geben, damit Sie und Ihr Kind sich ein Bild machen können.

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1) „Die Welt spricht Latein!“

Die modernen europäischen Fremdsprachen wie Italienisch, Französisch und Spanisch stammen in direkter Linie vom Lateinischen ab und somit finden sich in diesen Sprachen rund 80 Prozent Wörter, die aus dem Lateinischen stammen. Das bedeutet, dass sich „Lateiner“ mit etwas Übung eine hohe Anzahl an fremdsprachlichen Wörtern erschließen können. So lebt das lateinische Wort dormire (’schlafen‘) im italienischen dormire, im spanischen dormir und im französischen Wort dormir weiter.

Deshalb gibt es auch seit Jahren im Lateinabitur eine ganz besondere Aufgabe, die immer sehr gut gelöst wird: ein italienischer Text und deutsche Fragen dazu. Denn wer Latein kann, kann sich oft den Inhalt fremdsprachlicher Texte erschließen, selbst wenn man die Sprache nicht spricht.

2) „Was man so alles im Duden findet!“

Hand aufs Herz: Können Sie mit den Begriffen TOTALITARISMUS, RESILIENZ, ABSOLUTION oder EVOLUTION etwas anfangen? Klar, man liest sie heutzutage überall, aber was sie wirklich bedeuten, da tut man sich oft schwer, denn diese Wörter sind aus dem Lateinischen ins Deutsche gekommen. Jetzt kann man sich den Duden nehmen und eine Definition durchlesen, oder aber einen „Lateinertipp“ abgeben. TOTALITARISMUS ist eine Ideologie, die das ganze (lat. totus = ganz) Leben bestimmen will. RESILIENZ bezeichnet die Fähigkeit, Stresssituationen zu meistern (lat. re-silire = abprallen). Die ABSOLUTION erhält man, wenn man von schlimmen Taten freigesprochen wird (lat. absolvere = los-lösen). Und zu guter Letzt: Die EVOLUTION ist die Entwicklung (e-volvere = aus-wickeln) von Lebewesen. Dies sind nur ein paar Beispiele, die zeigen, dass man sich mit Latein Begriffe aus der Muttersprache erklären bzw. tiefer verstehen kann.

Übrigens hat sich auch das Englische kräftig mit lateinischen Wörtern versorgt und so kann man hinter 6 von 10 englischen Wörtern, die römischen Wurzeln erkennen z. B. to expect (lat. exspectare = erwarten), colony (lat. colonia = Kolonie) und fact (lat. factum = Tatsache)

3) „Der Schlüssel zur Uni“

Damit wird auch klar, dass Latein die Türen zur Universität öffnet und das nicht nur weil man sofort weiß, wo auf dem Campus (lat. Gelände) die Mensa (lat. Esstisch) ist. Jedes Fach hat seine Fachsprache und die Fachbegriffe (z.B. medizinische Begriffe, Pflanzennamen) sind fast ausschließlich aus dem Lateinischen und Griechischen genommen, denn über Jahrhunderte war Latein die Sprache der Universität und Wissenschaft. Auch heute noch werden Fachbegriffe neu gebildet und man bedient sich weiterhin der lateinischen Sprache z.B. Computer (lat. com-putare = zusammen-rechnen). Gut wenn man nicht jedes Wort neu lernen muss!

4) „Geschichte und Geschichten“

In einem Lied singt Herbert Grönemeyer: „Es sind Geschichten. Sie einen diese Welt!“ Was er damit meint, ist wohl, dass wir z.B. in unserer westlichen Kultur Geschichten haben, die jedem bekannt sind und deren Kenntnis oft vorausgesetzt wird. Neben der Bibel haben sich viele Geschichten der römisch-griechischen Antike auch in unserer Sprache niedergeschlagen: So wissen wir alle, dass Geld nicht stinkt und dass man dafür die Hand ins Feuer legen kann und manch einer kam, sah und siegte, was manchmal aber eine Sisyphus-Arbeit ist, die man mit stoischer Ruhe zu ertragen weiß. Welche Geschichten dahinterstecken, weiß bald jeder Lateinschüler und ist auf Du-und-Du mit Trojanern, dem Rubikon und dem Forum, das in Günzburg nicht umsonst so heißt!

5) „Was haben uns die Römer gebracht?“

Oft sieht man gar nicht mehr, was wir selbst heute noch den Römern verdanken. Wer würde schon vermuten, dass viele Autobahnen auf römischen Straßen gebaut sind und es schon damals Rastplätze gab, an denen man nur eben kein Benzin getankt hat, sondern gleich die ganzen PS (also Pferde) ausgewechselt hat. Auch die Formel 1 (Wagenrennen im Circus Maximus), Zebrastreifen (mit erhöhten Trittsteinen), Graffiti (von Liebesschwüren bis Wahlwerbung) und selbst das Gartenbad in Leipheim (römische Thermen) haben antike Vorbilder.

So erstaunlich die vielen Ähnlichkeiten sind, so spannend sind gerade die Unterschiede: „Was haben die Römer gegessen? Wie, damals gab es auch schon Fastfood? Was haben die Römer angezogen? Mit welchen Mitteln wurden die Haare gefärbt?“ Diese Fragen und viele mehr klären wir im Lateinunterricht, wenn wir mit den Texten in die Vergangenheit abtauchen. Gerade in Günzburg, der alten römischen Stadt Guntia, findet man fast an jeder Ecke Reste der Römerzeit und so wird manche Baustelle zu einer spannenden Entdeckungstour in die Geschichte und unsere Lateinerklassen sind immer wieder auf Ausgrabungen dabei.

6) Latein – ein guter Einstieg ins Gymnasium

Mit dem Schritt ans Gymnasium ändert sich einiges und nicht jeder möchte gleich mit einer Fremdsprache starten, die auch Unterrichtssprache ist. Da bietet Latein eine Alternative, denn im Unterricht wird nur Deutsch gesprochen. Wir übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche und es werden weder mündlich noch schriftlich eigene Texte verfasst. Übrigens: Lateinische Wörter spricht man aus wie man sie schreibt! Dafür lernt man viel genauer und strukturierter, wie eine Sprache funktioniert – mit Mehrwert: Denn die Grammatiken der modernen Fremdsprachen bauen alle auf dem System der lateinischen Sprache auf! Der sichere Umgang mit Begriffen wie Verb, Präposition, Subjekt, Kasus und so weiter sind für Lateiner nach kürzester Zeit selbstverständlich und erleichtern das Arbeiten in Deutsch und den kommenden Fremdsprachen enorm. Da Englisch, egal ob man in der 5. Klasse oder 6. Klasse startet, immer ganz ohne Vorkenntnisse beginnt und nicht auf Kenntnisse aus der Grundschule aufbaut, verliert man nichts, sondern gewinnt eher, da man auf den im Lateinunterricht der 5. Klasse erworbenen Grundlagen aufbauen kann. Ebenso profitieren Schülerinnen und Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, vom Lateinischen, da durch das Übersetzen ins Deutsche sowohl Wortschatz als auch grammatische Strukturen des Deutschen eingeübt werden.

7) Weil es Spaß macht!

„Latein ist cool!“ Wie, das glauben Sie nicht? Na, dann fragen Sie doch einmal unsere Schülerinnen und Schüler, die mit Begeisterung in die Welt der Antike eintauchen und das moderne, durchgehend farbig gestaltete und bebilderte Lehrwerk Campus, das keinen Vergleich zu den Lehrwerken der modernen Fremdsprachen scheuen muss, gerne zur Hand nehmen. Dass es eine Menge an – teils digitalen – Zusatzmaterialien gibt, die man zum Üben heranziehen kann, ergänzt dieses Angebot.
Einen Blick ins Buch gibt’s hier …

Selbstverständlich muss man auch für Latein Wörter lernen und grammatische Strukturen studieren, keine Sprache kommt ohne dies aus. Aber live dabei sein, wenn Romulus und Remus von der Wölfin aufgezogen werden, mit Hannibal über die Alpen ziehen, Jupiter beim Blitze schleudern zuschauen und auf dem römischen Forum die Senatoren belauschen, das macht einfach Spaß.

Und wer es nicht glaubt, kann sich gerne am „Dossenberger Römertag“ davon überzeugen, an dem wir den Viertklässlern die Möglichkeit geben, sich stilecht mit einer Toga zu bekleiden, römisches Essen zu probieren und die ersten lateinischen Wörter zu benutzen. Dieses Jahr findet der Römertag am 21.01.2021 um 16.00 Uhr statt. Bitte beachten Sie aufgrund der Corona-Pandemie die Aushänge und die Inserate in der örtlichen Presse. Sollten Sie schon jetzt Fragen haben, so können Sie uns gerne unter verwaltung@dossenberger.de eine Nachricht zukommen lassen.