Dossenberger UmweltFairTreter auf Reisen

Im Laufe des Lebens kommt fast jeder Deutsche einmal nach Berlin. Immerhin ist es doch unsere Hauptstadt, mit all den wichtigen Gebäuden im Regierungsviertel, den weltberühmten Currywurstbuden (der sog. „36er“), der Mauer als Überbleibsel des Kalten Krieges, als Zeugnis der Geschichte, des monumentalen Holocaustdenkmals und all der anderen Dinge, die man sehen muss, wenn man dorthin fährt. Doch für viele kommt diese Chance erst recht spät. Nicht jedoch für das Umweltteam unserer Schule. 32 Schüler bekamen von Frau Rembold für ihr Engagement die großartige Gelegenheit, diese schon jetzt kennenzulernen. Vom zweiten bis zum fünften Dezember 2018 (02.-05.12.2018) durften wir auf eine Bildungsfahrt nach Berlin mitkommen.

Über die einzelnen Tage haben wir bereits live auf der Homepage berichtet, wovon ich jetzt das Schlussfazit ziehen bzw. die Highlights präsentieren darf. Am geschicktesten lässt sich dies anhand einer kleinen Chronologie machen:

Unsere Reise begann am Sonntag, dem 02., gegen acht Uhr in Günzburg, wo wir in den Zug einstiegen und über einen Zwischenhalt mit dem ICE nach Berlin fuhren, wo wir gegen 17.30 Uhr am Hotel ankamen und von der langen Reise ermüdet, aber dennoch voller Vorfreude auf das folgende Programm, das ausgezeichnete Abendessen im Hotel genossen. Doch wer glaubt, das sei es für den Tag gewesen – weit gefehlt. Frau Rembold nahm uns gleich auf den Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz (in der Adventszeit – die Leute kapieren’s einfach nicht) mit, wo wir in Kleingruppen eine sehr vergnügliche Zeit verbringen konnten und die modernsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sahen. Gegen elf Uhr waren wir dann auf den Zimmern – wann wir Schüler tatsächlich zu Bett gingen, sei einmal dahingestellt. 🙂

Wie dem auch sei – am nächsten Morgen ging’s nach dem Frühstück direkt mit dem Programm los, und zwar mit dem hochkarätigsten Ereignis unseres Aufenthalts: der Besichtigung des Deutschen Bundestages. Leider war zum Zeitpunkt der Exkursion keine Sitzungswoche, aber zumindest die Zuschaueremporen durften wir besetzen – und uns dabei einen sehr interessanten Vortrag über die Geschichte des Hauses anhören. Zumindest eine Bundestagsabgeordnete haben wir danach gesehen; wir besuchten nämlich einen Vortrag von Ekin Deligöz (B90/Grüne), die uns auf diese Reise eingeladen hatte – an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank. Sie erklärte uns, was die Aufgaben der Abgeordneten in Berlin sind und wie der Alltag dort abläuft. Nachdem dieses Gespräch vorbei war, besichtigten wir die berühmt-berüchtigte Kuppel (das gab ein paar tolle Fotos fürs Album, auch ein echt geniales Gruppenbild). Nach dem Mittagessen durften wir eine Stadtrundfahrt mit Erklärungen mit dem Bus mitmachen, wo uns all die berühmten Straßen, Gebäude und Gelände der wichtigsten Regionen Berlins – besonders des Regierungsviertels – auf eine schön illustrierte und spannende Art nahegebracht wurden. Für mich persönlich am interessantesten war die bekannte Prachtsraße „Unter den Linden“, die eine bewegte Geschichte hat und ein unübliches Erscheinungsbild abgibt. Ein Wort zum Abendessen: Das war die schlechteste Kartoffelsuppe, die je einer von uns in seinem Leben gegessen hatte! Nur um einen Eindruck zu geben: das Wort „Kartoffelsuppe“ hat sich in unserer Clique als ein Wort für etwas absolut Schreckliches, Grauenhaftes, ja Scheußliches eingebürgert!

Am nächsten Tag war für 09.30 Uhr ein Gespräch im Bundesumweltministerium angesetzt, welches leider kurzfristig entfallen musste. Das gab uns allerdings Gelegenheit, u. A. den Alexanderplatz, die Marienkirche und den wunderbaren Berliner Dom zu besichtigen – leider hatten wir nur knapp zehn Minuten, nichtsdestoweniger habe ich den Ort als einen meiner Highlights in Erinnerung behalten. Hiernach ging es mit dem Bus schnurstracks weiter zum Bundesrat: eine Institution, die eigentlich auch sehr wichtig für unseren Staat ist, aber erheblich weniger öffentlichkeitswirksam arbeitet als der Bundestag. Im Bundesrat also bekamen wir die obligatorische Führung, die mit einer sehr interessanten Fragerunde verbunden war; an dieser Stelle durften wir ein Protokoll lesen, in welchem die legislative Aktivität der letzten Bundesratssitzung vermerkt war. Definitiv eine Arbeit, die man nicht unterschätzen sollte! Nach einem bildungsreichen Vormittag durften wir in Veli’s Restaurant ein absolut phänomenales Mittagessen genießen. Ein wirklich einmalig gut gekochtes Essen, extrem lecker und sehr reich an Auswahl! Wir können nur jedem, der nach Berlin kommt, empfehlen, dort zu essen. Es lohnt sich!

Im Anschluss daran besichtigten wir die „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ [gegen die Nationalsozialisten], die direkt neben dem Verteidigungsministerium angesiedelt ist. An jenem Ort sind viele von den tapferen Frauen und Männern verewigt, die sich erhoben haben gegen die Herrschaft und den Terror des nationalsozialistischen Regimes. Bis heute nicht vergessen habe ich die Geschichte von Helmuth Hübener – der Jüngste, an dem ein Todesurteil des „Volksgerichtshofes“ vollstreckt wurde; er war damals 17. Ein Zitat von ihm, das in der Gedenkstätte eine ganze Wand einnimmt, muss dem Menschen, der für die Demokratie streitet, immer bewusst sein: „Darum rufen wir euch zu: Lasst euch euren FREIEN WILLEN, das KOSTBARSTE, was ihr besitzt, nicht nehmen.“ Und weil er nach diesen Worten gelebt hat, hat Hübener das Martyrium erlitten – sein Erbe darf und soll nicht vergessen werden.

Den Rest dieses Abend durften wir frei gestalten.

An unserem letzten Tag bließen die Trompeten recht früh zum Morgenappell – immerhin musste der Check-Out pünktlich erfolgen. Gleich den Zug bestiegen haben wir aber nicht. Stattdessen durften wir uns nun über die nächste Historizität ausführlich informieren: die Trennung zwischen Ost und West. Konkret geschah dies beim Besuch des sogenannten Tränenpalastes. Dieser trägt seinen Namen, weil die im Osten lebenden Menschen, die keine Ausreiseerlaubnis hatten, hier – meist unter Tränen – ihre westlichen Verwandten verabschieden mussten. Die Führung, die sehr reichhaltig mit Bild, Ton und Video unterlegt war, brachte uns die Diffizilitäten und Ungerechtigkeiten nahe, die kanpp 30 Jahre im Osten Deutschlands Realität waren; außerdem konnten wir genau nachvollziehen, wann, wie, wo und warum sich die Wiedervereinigung abspielte. Auf alle Fälle eine Tour zum Weiterempfehlen!

Nach dem Mittagessen (Indisch; das muss man mögen) war dann die letzte Station unserer Bildungsfahrt erreicht: die Gedenk- und Informationsstätte „Berliner Mauer“. Evidentermaßen setzt sie sich reich an medialer Ausschmückung mit dem Bau und Ausbau, dem Umfang, der Funktionsweise und dem Ende der Mauer und damit verbundenen Sicherheitsanlagen auseinander – auf dem Dach ist ein sehr lehrreicher Ausblick auf einen Teil der ehemaligen Todeszone möglich; dadurch wird der Schrecken von damals zumindest ein Stück realer und unmittelbarer als sonst. Doch ehe man’s sich versah, mussten wir auch schon Richtung Bahnhof aufbrechen – immerhin wartet der Zug nicht auf einen. Auf der Heimfahrt verlief alles reibungslos, sodass wir einen schönen gemeinsamen Ausklang der Fahrt genießen durften

An dieser Stelle möchte ich ein kurzes persönliches Fazit ziehen.

Die Gelegenheit, die wir bekommen haben, war eine unvergessliche, unvergleichliche und ein Stück weit sogar unglaubliche Erfahrung. Die wunderbare Kombination von trautem Miteinander, der einzigartigen, geschichtsträchtigen Umgebung und der bildungsreichen Gestaltung der Fahrt sind auf jeden Fall absolut einmalig gewesen – da waren wir Schüler uns alle einig. Viel Dank, Frau Rembold, dass Sie es möglich gemacht haben!!!

Von Nico Mayer, 9A