Teneriffa – ein unvergesslicher Schüleraustausch mit Freunden fürs Leben

Zwei Wochen. Zwei Wochen voller so unglaublichen Eindrücken und Erfahrungen, die wir wahrscheinlich so nie wieder erleben werden. Ende Oktober begann unser kleines Abenteuer zusammen in Richtung Kanaren. Voller Euphorie und Neugierde flogen wir viereinhalb Stunden nach Teneriffa, wo uns ein Bus am Flughafen ans andere Ende der Insel brachte. Nach ein paar spanischen Vokabelauffrischungen im „Guagua“ (=Bus), erreichten wir dann letztendlich die Austauschschule „IES Viera y Clavijo“. Zum allerersten Mal sahen wir unsere Austauschpartner, bei denen wir nun eine Woche leben würden. Nach der Begrüßung fuhren wir alle mit unseren Gastfamilien mit und erlebten gemeinsam eine unvergessliche Woche in Teneriffa. Ganz abgesehen von den Programmpunkten, wie zum Beispiel dem Besuch des Teide, dem höchsten Vulkan der Kanaren und gleichzeitig höchster Berg Spaniens, oder der Delphin-Tour, stellten unsere Austauschspartner ihr eigenes Programm mit uns zusammen, um jede Minute zu nutzen. Am Ende der sieben Tage sind unbeschreibliche Freundschafen zwischen den Spaniern und uns Deutschen entstanden und umso schwerer fiel der Abschied …

Nach so einem tollen Programm in Teneriffa lag die Messlatte hoch und deshalb begann schon im Flug nach Hause eine Diskussion, was wir denn in Deutschland mit den Spaniern machen könnten. Als wir dann Mitte Dezember die Aufenthaltsdaten der Spanier bekamen, begann erneut die Euphorie. Nicht nur die Spanier, die nun wie wir damals zum ersten Mal in ein komplett fremdes Land reisen würden, waren nervös. Auch wir wollten Günzburg und unsere Kultur so eindrucksvoll präsentieren wie nur möglich. Und so stellte einerseits Frau Unger, als auch wir, die Schüler untereinander, ein Programm zusammen. Aber von vorne: Gegen 24:00 Uhr erreichten die Spanier am Mittwoch, den 29. Januar, Günzburg. Da nach dieser langen Anreise jeder von uns ziemlich müde war, fiel die Begrüßung ziemlich kurz aus, was wir dann aber am Donnerstag nachholten. Zur ersten Stunde begrüßte uns Herr Lang und wünschte uns viel Spaß für die kommende Woche. Nach einer kurzen Führung in unserer Schule liefen wir mit unseren Austauschpartnern in die Altstadt, wo wir im Rahmen einer Stadtrallye zusammen im Stadtturm traditionell Weißwürste aßen. Am Abend trafen wir uns alle gemeinsam in einer Pizzeria, wir hatten uns ja schließlich viel zu erzählen. Nach einem eindrucksvollen ersten Abend fielen wir abends alle müde ins Bett, um „ausgeschlafen“ zur ersten Stunde in der Schule zu sein. Nach dem Unterricht gab es typisch deutsches Essen bei den Gastfamilien zu Hause. Und nach einer kurzen Siesta verabredeten wir uns alle nachmittags im Eisstadion Burgau. Für viele war das ein großes Highlight – das Eislaufen lief überraschender Weise bei jedem sehr gut: nach anfänglichen Schwierigkeiten konnten wir alle gemeinsam auf dem Eis fahren, wobei einige der Tinerfeños sogar Eiskunststücke vorführen konnten, da sie selbst inlineskaten. Nach einer kurzen Dusche zu Hause waren wir dann für Pauls Party bereit, der sich anbot in seinem Keller eine kleine Fiesta im spanischen Style zu feiern. Wir alle hatten unglaublich viel Spaß und haben viele neue Tänze von den Spaniern lernen können, und so kam es, dass keiner von uns bemerkte wie schnell die Zeit verging… Müde von der Feier trafen wir uns dann Samstag morgen gegen 8 Uhr vor unserer Schule. Der Höhepunkt des Austauschs stand bevor: Der Ausflug in den Schnee. Für viele war es das erste Mal, dass sie so hohe Berge, beziehungsweise Schnee sahen. Nach der Gondelauffahrt leihten wir uns Schlitten aus und übten zunächst einmal mit unseren Austauschspartnern an einem kleinen Hang, bevor wir uns dann der Rodelbahn widmeten. Dieser Ausflug hat allen, den Spaniern sowie den Deutschen, unfassbar viel Spaß gemacht. Auch die Wanderung zurück ins Tal, bei der ein unfassbares Schneeballduell untereinander ausbrach, machte die zunächst kurz geplante Wanderung zu einem zweistündigen Abmarsch.

Am nächsten Morgen, dem freien Tag, stand dann deutsche Kultur auf dem Plan. Wir wollten ihnen unseren Fasching zeigen. Zugegeben der Umzug in Balzhausen hatten sie sich anders vorgestellt, denn wie uns die Spanier erzählten, findet auf Teneriffa, nach Brasilien, der zweitgrößte Karneval der Welt statt. Jedes Jahr reisen hunderttausende auf die Insel, um einmal beim Karneval in Santa Cruz dabei gewesen zu sein. Trotz der etwas langweiligen Parade in Deutschland erfuhren sie beim Umzug vieles über unsere deutschen Süßigkeiten, wie beispielsweise Esspapier, wovon sie weniger begeistern waren. Am Abend fuhren wir dann noch alle nach Neu-Ulm in die Lasertag-Arena, bei der wir uns zusammen in Teams nochmal so richtig austoben konnten. Am Montag fand dann wieder Unterricht in den jeweiligen Klassen statt, wobei witzige Diskussionen zwischen Lehren, die ihrer Ansicht nach Spanisch sprechen konnten, sowie den Spaniern stattfanden. Damit es für die Austauschspartner nicht zu langweilig wurde, haben sich verschiedene Klassen bereit erklärt Spiele Kochaktionen oder Diskussionsrunden mit ihnen zu machen. So gingen die Tinerfeños immer mal wieder in andere Klassen und konnten verschiedene Eindrücke sammeln. Am Montagabend folgte dann das offizielle Abschiedsessen mit den Lehren. Zusammen trafen wir uns zum Bowlen und Essen in der Linde. Und erneut merkte man die enge Verbindung untereinander, bei der sehr lange und tiefgründige Gespräche entstanden, sowie bei den Schülern als auch bei den Lehrern. Denn anders als hier in Deutschland ist die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler viel enger und vertrauter. Aber vielleicht ist das genau das, was dieses Gefühl mit den Spaniern so eindrucksvoll macht. Ihre Offenheit. Egal in welcher Klasse sie zu Besuch waren, am Ende verließen sie sie als Freunde. Ihre Art mit anderen Menschen zu reden ist so tiefgründig und ehrlich, wie man sie seltenst in Deutschland findet. Vielleicht denken sie jetzt, dass ich übertreibe, aber dieser Austausch hat mich nicht nur sprachlich enorm weitergebracht, auch menschlich konnte ich mich extrem weiterbilden. Die Sicht der Dinge, die Gelassenheit untereinander – und das hat nichts mit der typischen Siesta zu tun, sowie ihre Menschlichkeit sind unbeschreiblich. Und umso schwerer war es sich an dem Abend ums Bowlen zu kümmern.

An unserem letzten Tag ging es nach der sechsten Stunde nach Ulm und wir genossen die letzten Stunden zusammen. Gemeinsam schauten wir uns das Ulmer Münster, die höchste Kirche der Welt an, und bestiegen dann letztendlich den Turm. Nach 768 Stufen waren wir an der Spitze des Turms angelangt und hatten einen unglaublichen Blick über die Stadt. Auch das kalte Wetter hatte einen Vorteil, denn ganz oben, an der Spitze der Kirche, schneite es, und somit sahen sie auch noch tausende winzige Schneeflocken herunter rieseln. Nachdem uns die Kälte dann doch zum Abstieg zwang, trafen wir uns nach weiteren Besichtigungen wichtiger Punkte der Innenstadt noch im Barfüßer, einem typisch deutschen Restaurant in der Stadtmitte. Als wir fertiggegessen hatten und die Spanier Souvenirs für ihre Eltern kauften, beschlossen wir uns noch ein „echtes“ letztes Mal zum Essen zu verabreden. Und so kam es, dass wir Dienstagabend alle gemeinsam beisammensaßen. Glücklich an diesem Abenteuer teilgenommen zu haben, und traurig, sich morgen endgültig verabschieden zu müssen, flossen schon am Dienstagabend massenweise Tränen …

Fertig gepackt, mit Tränen in den Augen kam dann Mittwochfrüh der Moment, den wir so lange wie möglich verdrängt hatten. Es war vorbei. Der Austausch war hiermit beendet. Nicht aber unsere Freundschaften, und auch wenn man immer sagt: „Wir halten den Kontakt, versprochen!“, und man sich dann auseinanderlebt, war es diesmal anders. Wir wussten, wir werden uns wiedersehen, denn unser Herz schlägt jetzt für Teneriffa. Wegen des Lifestyle, wegen der atemberaubenden Natur und wegen unseren Freuden, die uns in zwei Wochen besser kennengelernt haben als die meisten zuhause. Was mir zum Schluss zu sagen bleibt ist: Danke. Danke an Herrn Lang, der dieses Projekt so unterstützt, danke an Frau Unger und Herrn Schiefele für die leidenschaftliche Organisation. Danke an den Bayerischen Jugendring für die finanzielle Förderung. Und danke an jeden einzelnen der Teilnehmer, die diesen Austausch unvergesslich gemacht haben.

Jakob Kucher, Q11